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Freie Presse 5. April 2012 + Stellungnahme ADHS Sachsen e.V.
ADHS Erwachsenen Selbsthilfegruppe Dresden
Dank an Peggy Behring-Mothes(Landesverband ADHS Sachsen e.V.) das wir den Artikel + Stellungnahme hier mit  aufnehmen dürfen. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Artikel Freie Presse, Ausgabe 5. April 2012 ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Jedes vierte Kind in Sachsen ist in psychologischer Behandlung  (von Uwe Kuhr) Familienprobleme sorgen bei Kindern für einen rasanten Anstieg seelischer Leiden. Die AOK plus schlug gestern Alarm. DRESDEN - In Sachsen nehmen psychische Erkrankungen bei Kindern dramatisch zu. Wie aus dem Gesundheitsbericht der AOK plus für 2011 hervorgeht, ist im Freistaat bereits jedes vierte Kind im Alter bis zu zwölf Jahren in ambulanter Behandlung. Rolf Steinbronn, Vorstandschef der mitgliederstärksten Krankenkasse in Sachsen, sprach gestern in Dresden von einer "erschreckenden Entwicklung, die ungebremst anhält". Seine Versicherung, die etwa jeden zweiten Sachsen betreut, registrierte 2010 rund 58.600 Kinder mit entsprechenden Diagnosen. Hauptauslöser dieser frühkindlichen Fehlentwicklungen seien besonders familiärer Natur, die sich in fehlender Zuwendung, Überforderung der Eltern, sozialer Verwahrlosung, Leistungsdruck und Mangel an festen Regeln und Ritualen äußerten. Daraus resultierende Verhaltensstörungen bei Kindern würden vielfach nur mit Medikamenten statt mit Therapien unter Einbeziehung der Eltern kuriert, so Experten. "Derzeit werden jedem vierten Kind Psychopharmaka wie Ritalin verabreicht, damit es überhaupt schulfähig ist", kritisierte Steinbronn. Allein in Sachsen würde dabei jährlich eine Menge von 1,1 Tonnen Ritalin verabreicht. Das sei doppelt so viel wie noch 2007. Fehlende und falsche Therapiemöglichkeiten in Sachsen beklagte Veit Rößner, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Universitätsklinikums in Dresden. Die ohnehin schon langen Wartezeiten beim Psychologen seien bei Kindern und Jugendlichen noch deutlich länger als bei Erwachsenen. Hilfe suchten die Eltern dann oft bei Haus- und Kinderärzten, die zu schnell zur Pille griffen. Er beklagt zunehmende Drehtür-Effekte. Gemeint ist die regelmäßige Rückkehr Betroffener in die Klinik, weil es keine weiterführende Betreuung gebe. "Das betrifft 10 bis 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen aus oft sozial schwachem Umfeld", so Rößner. Für Peter Schwarz, Dresdner Medizinprofessor, birgt die Situation Langzeitgefahren. In der Kindheit nicht auskurierte psychische Störungen vervielfachten das Risiko von ähnlichen Erkrankungen im Erwachsenenalter. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Stellungnahme des Landesverbandes ADHS Sachsen e.V. zum Artikel ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Der Landesverband AD(H)S-Sachsen e.V. vertritt die Rechte der an Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom leidenden Menschen und deren Familien. Das Aufmerksamkeits- Defizit-Syndrom ist eine zu meist genetisch bedingte Hirnstoffwechselstörung, welche zu Konzentrationsstörungen, mangelnder Impulskontrolle und mit Hyperaktivität oder Hypoaktivität einhergeht. Laut Wissenschaftlichen Untersuchungen sind 5-6% unserer Kinder und Jugendlichen davon betroffen, ca 1/3 leidet noch im Erwachsenenalter unter den Symptomen. Umgangssprachlich wird diese Erkrankung auch Verhaltensauffälligkeit genannt. Dieser Artikel zeigt wie ein Schnellschuss der Presse und die Veröffentlichung von Standpunkten , die kontroverse Diskussion zum Thema psychische Erkrankungen im Kindes und Jugendalter neu entfachen kann. Zu folgenden Punkten nehmen wir als Vertreter von AD(H)S Betroffenen und deren Familien Stellung. 1. Wie aus dem Gesundheitsbericht der AOK plus 2011 hervorgeht, ist im Freistaat bereits jedes vierte Kind im Alter bis zu zwölf Jahren in ambulanter Behandlung. Die Recherche des Gesundheitsberichtes hat uns leider keinen Hinweis auf die Erfassung der Behandlungen von Kindern im ambulanten Bereich gezeigt. Hierzu ist weder ein Vermerk noch ein Hinweis zu Diagnosen und Behandlungen im Kindes und Jugendalter vorhanden. Wobei es auch für den Landesverband alarmierend ist, die durch die Gesellschaft auferlegten Normen und Werte und damit verbundenen Steigerung der als verhaltensauffälligen diag- nostizierten Kinder. Allerdings liegen für Sachsen keine konkreten Zahlen aller Krankenkassen vor. Aber auch die Kontrolle über die Leitlinien gerechte Diagnostizierung fehlt hier an dieser Stelle. Landesverband AD(H)S-Sachsen e.V.Tel. 037206-881726 August-Bebel-Straße 7  Fax 037206-886954 09669 Frankenberg  www-adhs-mittelsachsen.de Amtsgericht Chemnitz VR 41111 LV-adhs-sachsen@t-online.de 2. Hauptauslöser dieser frühkindlichen Fehlentwicklung seien besonders familiärer Natur, die sich in fehlender Zuwendung, Überforderung der Eltern, soziale Verwahrlosung, Leistungsdruck und Mangel an festen Regeln und Ritualen äußern. Daraus resultierende Verhaltensstörungen bei Kindern...................  Diese Aussage ist unhaltbar und eine Heruntersetzung der sozialen Kompetenz sowie ein persönlicher Angriff auf die Eltern von betroffenen Kindern. Eltern werden hier zum Sündenbock gemacht und die Gesellschaft hat für sich einen Schuldigen gefunden. Hiergegen verwehrt sich der Landesverband und fordert eine sofortige Richtigstellung durch die Presse. Es wird eine Meinung von einem Nichtfachmann ( Betriebswirt und verantwortlich für die Ressort Markt, Finanzen/Controlling und Kundenservice)veröffentlicht ohne den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu beachten. Die von Herrn Steinbronn genannten Fakten sind keine Hauptauslöser, sie können aber mitunter die Symptomatik verschlimmern.   Wenn ein Kind bei einem Unfall so schwer verletzt wird, dass es eine lebenslange Behinderung von sich trägt, würde kein Mensch sagen, da sind die Eltern dran Schuld, sie sind unfähig ihre Kinder zu beschützen. 3. Daraus resultierende Verhaltensstörungen bei Kindern würden vielfach nur mit Medikamenten statt mit Therapie unter Einbeziehung der Eltern kuriert, so Experten. Wer sind die Experten? Hier fehlt eindeutig die namentliche Nennung. Nicht jedes Kind benötigt sofort noch eine Therapie, aber mit Sicherheit Unterstützungsangebote für Kinder und Eltern. Der Landesverband AD(H)S-Sachsen e.V. ist anerkannter Träger für zusätzliche Betreuungsangebote. Wir bieten für Kinder und Jugendliche Unterstützungsangebote an, in dem wir vor allem Konzentration, soziale Kompetenz fördern und das Selbstbewusstsein aufbauen, parallel dazu schulen wir die Eltern im Umgang und der Unterstützung ihrer Kinder. Die Leistung für die Kinder sollte laut Gesetz von den Krankenkassen übernommen werden. Seit 8 Monaten kämpfen Eltern mit den Krankenkassen für die Übernahme der Kosten. Es gibt nur eine Krankenkasse in Sachsen, welche sich dem Thema an nimmt und ihre Versicherten unterstützt. Zur Anmerkung: Ritalin kuriert niemals eine Verhaltensauffälligkeit, Ritalin ist ein unterstützendes Medikament bei der Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten. 4. Derzeit werden jedem 4. Kind Psychopharmaka wie Ritalin verabreicht, damit es überhaupt schulfähig ist. Diese Aussage bezweifelt der Landesverband, dafür gibt es auch keine gemeinsame Zahlen von den Krankenkassen. Bei einer Schulklasse mit einer Stärke von 28 Kindern, wären dies 7 Kinder. Mit der Schulfähigkeit ist eine korrekte Aussage, Kinder passen mit ihrer Andersartigkeit nicht in das Schulsystem und die PISA Studie. Diese Kinder sind für einen reibungslosen Schulalltag zu anstrengend. Deshalb wird den Eltern meist von den Pädagogen die Diagnose mit geteilt und nahe gelegt dem Kind Medikamente zu geben oder es an einer Förderschule weiter lernen zu lassen. Eltern werden verunsichert und ängstlich und suchen Wege nach schnellen Lösungen. Landesverband AD(H)S-Sachsen e.V.Tel. 037206-881726 August-Bebel-Straße 7  Fax 037206-886954 09669 Frankenberg  www-adhs-mittelsachsen.de Amtsgericht Chemnitz VR 41111 LV-adhs-sachsen@t-online.de Leider tritt das Phänomen der diagnostizierenden Erzieher auch schon im Kindergarten auf und Eltern werden gebeten ihren Kindern Medikamente zu geben. Dies ist ein gesellschaftliches Problem, welches in die Hände von Eltern und Kinderärzten gelegt wird. Mit der Bitte diesem Problem einen Namen zu geben und es schnellst möglich abzustellen. Gerade Kinder und Jugendliche benötigen aber durch ihre gestörte Wahrnehmung, sehr viel länger an Zeit neues Verhalten einzuüben. 5. Allein in Sachsen würde dabei jährlich eine Menge von 1,1 Tonnen Ritalin verabreicht. Diesen Trend sieht auch der Landesverband AD(H)S - Sachsen e.V. sehr kritisch und alarmierend., nicht jedes Kind benötigt Medikamente. Aber es ist ein gesellschaftliches Problem, in dem Kinder, die nicht den Normen entsprechen, schon so früh wie möglich zu psychisch kranken Kindern zu machen. Hier können wir uns nur dem Kommentar von Prof. Veit Rößner und Prof. Peter Schwarz anschließen. Was für Möglichkeiten bleiben den Eltern um ihre Kinder zu unterstützen, wenn es an anderen Hilfsangeboten fehlt oder diese nicht bezahlt werden. Kritisch sehen wir hier auch die nicht den Leitlinien gerechte Behandlung von Kindern. Diese sagt eindeutig Medikamente, mit einer Verhaltenstherapie bzw. Training und die Schulung von Eltern, gemeinsam. Im Zeitalter von Inklusion zeugt so eine Berichterstattung wie in diesem Artikel von einer Einseitigkeit, gegen den sich der Landesverband AD(H)S-Sachsen e.V. mit Nachdruck aussprechen möchte. Wir fordern hier eine fundierte Berichterstattung. Auch Verhaltensauffälligkeiten sind eine Behinderung, auch wenn diese meist subjektiv gesehen wird und haben genauso ein Recht wie eine Behinderung , welche man objektiv sieht, betrachtet und behandelt zu werden.